NEWS14 July 2009
Turkey:
By Anja Hotopp, reporting from Berlin
http://www.freemuse.org/sw34452.asp
NEWS
Friday, March 20, 2009
NEWS
ZENITH – Zeitschrift für den Orient Türkei Interview: Mieste Hotopp-Riecke und Anja Hotopp
Ferhat Tunç ist einer der erfolgreichsten Liedermacher in der Türkei. Als Mitglied der Künstlerorganisation Freemuse setzt er sich für bedrängte Künstler weltweit ein und gerät doch selbst immer wieder zwischen die Mühlen des Gesetzes. Auch nach jahrelangen Reformen in Hinblick auf einen Beitritt der Türkei zur EU haben sich die Probleme derer, die politische Teilhabe einfordern, dabei aber ihr Fähnchen nicht in den Wind hängen, nicht verringert
Sie sind einer der erfolgreichsten Musiker der Türkei. Wie beschreiben sie ihre Musik?
Protestmusik, die sehr stark traditionelle Elemente einbindet. So wäre es auch nicht falsch, meine Musik als zeitgenössische Volksmusik zu umschreiben. Die Quelle, aus der ich musikalisch schöpfe, ist meine Heimat, Dersim, die Kultur und die Werte, nach denen die Menschen dort leben. Das hat mich geprägt.
Das klingt nicht bedrohlich, trotzdem sind mehrere Verfahren gegen sie anhängig, und vor einigen Wochen drangen paramilitärische Einheiten in ihr Haus ein, um sie zu verhaften.Was war der Grund für die Verhaftung?
Es klingt zwar unglaublich, ist aber leider wahr: Ein Lied, das ich vor zwei Jahren auf einem Festival in Tunceli/Dersim gesungen habe, soll den Tatbestand der Unterstützung einer terroristischen Organisation erfüllen! Die Uniformierten drangen in mein Istanbuler Haus ein, um mich zum Staatssicherheitsgericht in Istanbul-Besiktas zu bringen. Sie versetzten meine Tochter und meine Frau in Angst und Schrecken. Das Ganze war völlig unnötig, ich lebe seit Jahren dort, weder verdeckt noch illegal. Anstatt eine Aussage zu Hause aufzunehmen, wird so eine Einschüchterungsmassnahme durchgezogen – skandalös. Meine Anwälte sorgten jedoch dafür, dass ich nach wenigen Stunden bereits wieder frei war.
Was ist das für ein Lied?
In dem Lied „On yedi cana“ (Für siebzehn Leben) geht es um die emotionale Bindung zwischen den Menschen meiner Heimat Dersim und den Bergen, um die mystische Verbundenheit mit Natur, Geschichte und Freiheitsliebe. Das wird mir nun als Unterstützung der TIKKO ausgelegt. Das ist paradox, bin ich doch in anderen Verfahren beschuldigt – fünf sind derzeit anhängig –, die PKK zu unterstützen. Die TIKKO ist die Arbeiter und Bauern-Befreiungsarmee der Türkei (Türkiye isci Koylü Kurtulus Ordusu), eine kleine linksradikale Guerilla, die im Gegensatz zur PKK nicht explizit auf türkische oder kurdische Nationalität abhebt.
Wer erhob Anklage, und was könnte der Grund für das martialische Auftreten der Polizei sein?
Anklage erhob die Staatsanwaltschaft Malatya vor zwei Jahren. Seit der Machtübernahme der AKP ist die Repression gegen die Demokratiebewegung in der Türkei keineswegs milder geworden. Im Gegenteil: Die Zahlen des türkischen Menschenrechtsvereins IHD belegen, dass im letzten Jahr so viele Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu beklagen waren wie seit acht Jahren nicht mehr. Wie weit es mit der Demokratisierung ist, zeigt die AKP-Regierung deutlich mit solchen Aktionen. Auf diese Art und Weise wird Macht demonstriert – gerade in Zeiten, in denen türkische Soldaten gegen kurdische Rebellen vorgehen mussten.
Und was sagen Sie zu den Vorwürfen?
der letzten Bürgermeisterwahl in Istanbul nicht ausschließen kann. Jetzt wird gegen mich ermittelt nach Paragraph 301. Dies ist ein Gummi-Paragraph des türkischen Strafgesetzbuches, der die Verunglimpfung und oder Herabsetzung des "Türkentums", der Republik oder des Nationalparlamentes mit einer Haftstrafe bis zu zwei Jahren belegt. Bereits andere kurdische Künstler haben ihre Karriere im Ausland fortsetzen müssen. Liedermacher Ahmet Kaya oder Filmemacher Yılmaz Güney beispielsweise, weil die Repressionen im Land nicht mehr auszuhalten waren.
So Auch Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk und der große Romancier Yasar Kemal standen schon wegen des Paragraphen 301 vor Gericht. Will man wie Sie lieber außer Landes sehen?
Wie in den anderen Verfahren auch werde ich mich juristisch wehren. Wenn es sein muss, werde ich, wie in der Vergangenheit auch, bis vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof ziehen. Die Absicht, mein gesellschaftliches Engagement zu verhindern oder die Ressourcen für mein künstlerisches Schaffen durch diese Abwehrkämpfe zu schmälern, werde ich unterlaufen: Ich werde weiterhin singen und schreiben – hier und in Europa. Kemal, Pamuk und ich haben das Glück, eine große Öffentlichkeit mit unserer Kunst zu erreichen, die auch in derartigen Situationen hinter uns steht. Doch für die Künstler und Gesellschaftskritiker in der Türkei, die keine Lobby haben, ist es noch härter.
Welche Projekte verfolgen Sie gerade?
Nachdem ein Filmprojekt für die BBC abgebrochen werden musste, weil mein Kollege bei diesem Projekt, der armenische Publizist Hrant Dink, erschossen wurde, stehe ich derzeit vor einigen Konzerten im Ausland, arbeite an Clips für meine Lieder und bin aktiv bei „Freemuse“.
Lobbyarbeit und die Vernetzung von untedrückten Musikerkollegen weltweit sind sehr wichtig.
Unter dem Motto „Die Gedanken sind frei“ werde ich deshalb am 3. April in der Berliner
Passionskirche auftreten. Als Gäste werden Konstantin Wecker und Hans Eckhardt Wenzel dabei sein, die sich auf diesem Wege mit meiner Situation und mit Künstlern in der Türkei
solidarisieren.
Was ist Freemuse?
Der 3. März ist der internationale Tag der Freiheit der Musik.Die weltweit agierende Künstlerinitiative "Freemuse“ (Freedom of Musical Expression) ist seit Jahren im Kampf gegen die Unterdrückung von Musikern und gegen Zensur aktiv. Zum zweiten Mal trafen sich in diesem Jahr Musiker, Sänger und Journalisten aus aller Welt, um die Freiheit der Worte und der Musik einzufordern, um auf verfolgte Musiker aufmerksam zu machen und sich zu vernetzen. Erstmalig wurde das Konzert der in „Freemuse“ zusammengeschlossenen Musiker von Oslo aus in ganz Europa übertragen.Von Norwegen bis Portugal, von Bulgarien über Litauen bis Island wurde dem Anliegen kritischer Liedermacher Gehör verschafft!
Die Staatsmacht müsste sich nun schon entscheiden: Bin ich ein TIKKO-Unterstützer oder ein PKKler?
Wenn man die politischen Verhältnisse in der Türkei kennt, ist klar, dass man nicht beides in einer Person sein kann. Das ist absurd. Der Staat handelt mit der Logik von Blutfehde: Nur weil Kritiker nicht schweigen, wird versucht, sie mundtot zu machen. Ich bin politisch denkender Künstler – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Sie berichteten, dass derzeit fünf Verfahren gegen sie laufen, welche?
Neben diesem Verfahren wird gegen mich ermittelt, weil ich mehrere Artikel für die Freilassung der kurdischen Politikerin Leyla Zana schrieb und öffentlich anmerkte, dass ich Wahlbetrug bei
Zensur

VON HANS-JÜRGEN LINKE
Musik ist eine Gefahrenquelle. Sie bedroht die öffentliche Sicherheit, besonders, wenn sie in Kombination mit Texten als Lied durch die Welt schallt. Lieder können ganze Länder, ihre Bewohner und Geschichte verächtlich machen, Schmerzen zufügen, Götter und religiöse Gefühle verletzen, sie können subtile oder offene Aufrufe zur Revolte sein. Die Daten, Fakten und Geschichten, die das Forum FreeMuse auf dem Symposium über Musik und Zensur mit dem Titel "Music - A Human Right" im Nobel-Friedenszentrum in Oslo zusammengetragen hat, lassen keinen anderen Schluss zu. Manchmal braucht Musik nicht einmal den Text, es genügt schon ein Klang, eine Instrumentation, ein kompositorisches Verfahren. Als Schostakowitsch hörte, ihm werde "Formalismus" vorgeworfen, wusste er, dass er in Lebensgefahr schwebte, und die nordländischen Sami verbrannten ihre Trommeln, weil schwedische und norwegische Missionare ihnen klar gemacht hatten, diese Instrumente seien des Teufels und also etwas unmittelbar Böses. In vielen Gesellschaften und politischen Systemen sind Geschmacksurteile nicht die einzigen Urteile, die Musik provoziert: Vielfach trifft sie auf strafrechtlich bewehrte, staatlich exekutierte Zensur. Sie trifft nie Musik allein, aber vielfach trifft sie sie scheinbar besonders irrational und hart.
FreeMuse vertritt den Grundsatz, dass die Freiheit der Musik zum unteilbaren Menschenrecht der Ausdrucksfreiheit gehöre. Die Musiker und Referenten, die am "Music Freedom Day" zum Symposium in Oslo eingeladen waren, beschränkten sich nicht auf die üblichen Verdächtigen und Regionen, sondern wussten auch den Blick auch auf weniger verdächtige Weltgegenden zu richten und auf Zensur-Mechanismen, die nicht immer ganz leicht dingfest zu machen sind. Zensur mit Hilfe von Marktmechanismen Zum Beispiel kann Zensur einfach mit Hilfe von Marktmechanismen in die Welt kommen. "Wir können deine Sachen nicht mehr vermarkten", war ein Satz, den Kris Kristofferson seit Anfang der achtziger Jahre immer öfter zu hören bekam - ein Satz, mit dem eine Plattenfirma begründete, warum sie seine Alben nicht mehr produzieren wollte, mit dem eine Radiostation begründete, warum sie nichts mehr von ihm senden würde, mit dem Konzertveranstalter schulterzuckend reagierten, wenn er fragte, warum er nicht mehr auftreten könne. Der Markt wollte ihn nicht mehr - komischerweise, sagt Kristofferson, wollte der Markt ihn nicht mehr, nachdem er begonnen hatte, sich kritisch mit der Mittelamerikapolitik der US-Regierung auseinanderzusetzen und wenig später auch mit der Irak-Politik unter Präsident Bush dem Älteren.
Auch der geradezu historische Flop, zu dem sich Michael Ciminos Film "Heaven's Gate" (mit Kristoffersen in einer Hauptrolle) entwickelte, kommt ihm heute verdächtig vor. Er erzählt von Besuchen des Reagan-Beraters Alexander Haig bei einflussreichen Hollywood-Produzenten mit dem Ziel, mit Filmen nicht mehr die amerikanische Geschichte verächtlich zu machen.
Kristofferson ist einer jener kernigen Folk- und Country-Sänger, geradlinig und freiheitsliebend, auch mit Anfang 70 repräsentiert er diese ur-amerikanische Art des aufrechten Gangs immer noch ungebrochen und mit einer tiefen, authentischen Menschenfreundlichkeit. Gern greift er zur Gitarre und singt über nicht allzu komplizierten Harmonien eines seiner prägnanten, eindringlichen und nie unsentimentalen Lieder über die Sorgen, Nöte und Ängste der kleinen Leute und die Kosten der Freiheitsliebe. Mit ihm steht die große Tradition eines Woody Guthrie oder Pete Seeger auf der Bühne. Man hat nicht den Eindruck, einen Paranoiker vor sich zu sehen. Und der Gegenwind des Marktes?
Ach, sagt er, man gewöhne sich daran, wenn man genug Geld habe, um nicht darben zu müssen. Aber er befürchtet Schlimmes für Leute, die als Künstler in einer anderen Situation sind, etwa am Anfang ihrer Karriere. Er befürchtet vorbeugende Kapitulation vor Massengeschmack und Mainstream, er befürchtet politische Abstinenz und Stromlinienform. Die Dixie Chicks zum Beispiel, sagt er, seien mutig, aber wenn sie gewusst hätten, was ihnen blühe - stapelweise Morddrohungen, von religiösen Mehr- und Minderheiten initiierte und von Rundfunksendern unterstützte CD-Zertrampelungs-Aktionen und mehr -, hätten sie sich ihre Deutlichkeit verkniffen. Jeder Künstler wolle Öffentlichkeit, sagt der weise Kris Kristofferson, man solle also den Druck, der von solchen Ereignissen ausgehe und sich über den Markt vermittele, nicht unterschätzen, und man könne ihn auch nicht gegen die Zustimmung aus der Community der Gleichgesinnten aufrechnen. Es seien nicht unbedingt die Künstler, die zurückwichen. Eine große Rolle spielten im Prozess der Selbstzensur die Berater, Manager, Produzenten. Diesem komplexen Bild demokratischer Zensurmechanismen stellten Ferhat Tunç und Chiwoniso Maraire ihre Erfahrungen mit basaleren, aber keineswegs weniger verheerend wirkenden Mechanismen gegenüber.
Tunç ist Kurde, lebt in der Türkei und singt auf Türkisch und Kurdisch Lieder, die von traditioneller kurdischer Musik inspiriert sind und sich mit politischen Vorgängen im Lande auseinandersetzen, aber manchmal auch einfach volkstümliche Lieder sind von Hirten, die in den Bergen auf ihre Ziegen aufpassen. Man wisse nie genau, warum, sagt er, aber man werde ständig festgenommen, vorgeladen und angeklagt. Juristischer Ausgangspunkt ist dabei immer der berüchtigte Paragraph 301 des türkischen Strafgesetzbuches, der eine Verächtlichmachung der Türkei unter Strafe stelle. Hrant Dink, der im Januar 2007 ermordete Publizist, war ein guter Freund, Ferhat Tunç fühlt sich inzwischen ebenfalls bedroht. Dass die türkische Polizei ihm Polizeischutz angeboten hat, hat sein Sicherheitsgefühl nicht verbessern können.
Chiwoniso Maraire ist in den USA aufgewachsen, inzwischen lebt sie wieder in Simbabwe. Dort sei, sagt sie, ein politischer Prozess in Gang, der hoffentlich die Ära Mugabe beenden werde und dem sie sich zugehörig fühlt. Es sei eher ein Projekt ihrer Generation als das einer bestimmten politischen Partei, und dieser Ansicht verschafft sie mit ihrer Art, Musik zu zelebrieren, und ihren Texten Ausdruck. Manchmal, sagt sie, kämen Polizisten in den Konzertsaal, die in voller Straßenkampfmontur nach subversiven Elementen Ausschau hielten und sich keine Mühe gäben, unauffällig zu sein. In etwas über drei Wochen seien Wahlen in Simbabwe, sagt Chiwoniso und blickt zuversichtlich in Richtung Horizont. Die Sängerin Mari Boine, die zu den norwegischen Sami gehört, kann von vielen Veränderungen in der zeitlichen Spannweite ihrer Biografie berichten. In ihre Jugend fiel die Einrichtung der ersten Schulkassen, in denen in ihrer Muttersprache unterrichtet wurde.
Mari Boine repräsentiert mit ihrer Musik nicht die archaische schamanische Tradition, sondern den komplizierten Modernisierungsprozess, dem die Sami sich ausgesetzt sehen; sie repräsentiert die Anschlussfähigkeit ihrer Kultur an ein modernes Staatswesen und des traditionelle Joiks an elektronischen Gegenwarts-Pop. Wenn sie von Zensur spricht, geht es vor allem um Scham- und Schuldgefühle, die von protestantischen Missionaren und bürgerlichen Modernisierern installiert wurden. Die Sami- Kultur habe im 19. Jahrhundert überall in Nordskandinavien als primitiv und lächerlich gegolten. Es habe beträchtliche Überwindung gekostet, die eigene Sprache als Schrift- und Kultursprache zu akzeptieren, und als sie begonnen habe, auf einer Sami-Trommel zu trommeln, seien ihre Eltern entsetzt darüber gewesen, dass sie nun endgültig ihre Seele dem Teufel überantwortet habe.
Der norwegische Staat habe sich als äußerst lernfähig erwiesen, gesteht Ande Somby zu. Er ist Professor an der juristischen Fakultät der Universität Tromsø, flicht gern kleine sarkastische Scherze ("Eigentlich sollte ich mich jetzt da draußen mit Rentieren befassen") in seinen Vortrag und verweist nebenbei darauf, dass der ethnische Respekt sehr schnell ende, wenn es darum gehe, nach Öl zu bohren. Ansonsten mische sich in die sprichwörtliche nordische Toleranz gern auch eine größere Portion Desinteresse. Während Zensur für Künstler eine Bedrohung sei, bedeute sie für Politiker oft schlicht die Verteidigung eines Status Quo. Religiöse und politische Zensurgründe seien die häufigsten und manchmal kaum voneinander zu unterscheiden. Es komme auch vor, dass Gesetze demokratischer Staaten Ausgangspunkt von Zensur seien, führte der Politikberater und Medienwissenschaftler Helge Rønning (Oslo) aus.
Die Grenzen für legitime Zensur will er sehr ziehen: Sie müsse ausgehen von einem demokratischen Gemeinwesen und eine konkrete Bedrohungssituation dingfest machen können. Ein Slogan wie "Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit" mache es sich zu leicht; dass Äußerungen bestimmter Meinungen bestimmten Bevölkerungsgruppen Unbehagen bereiten, genüge nicht als Legitimation für die Beschränkung des Grundrechts auf Ausdrucksfreiheit. Und gewöhnen solle man sich daran besser nicht.
Jahrgang 4 Nr. 10 vom 6.03.2008
Verfemt – Angeklagt – Gefeiert

von Anja Hotopp
Den Mythos der betörenden Sirenen des Orients, die den tapferen Seefahrer Sindbad fast um den Verstand brachten, kennt wohl jeder. Ähnliches könnte man von schnelllebiger Popmusik unserer Zeit sagen, meint Ferhat Tunç, mit je 400.000 Einheiten meistverkaufter kurdischer Protestsänger aus der Türkei. Die belanglose Popmusik in seinem Land solle die Menschen vernebeln, von wirklichen Inhalten und Problemen der Zeit ablenken. Gleiches gelte für viele Länder: Kritische Künstler werden vom Mainstream übertoÅNnt, von Staatsmächten mundtot gemacht und zensiert. „Musik kann wortgewaltig sein oder belanglos“, resümiert Tunç, der am Internationalen Tag der Freiheit der Musik als musikalischer Botschafter der Türkei in Oslo auftrat. Neben Mari Boine aus Lappland, Kris Kristofferson, USA und Chiwoniso Maraire aus Simbabwe war Tunç der Hauptact des Tages, hunderte Journalisten, Musiker und Musikliebhaber fanden den Weg nach Norwegen.
Der 3. März ist der internationale Tag der Freiheit der Musik. Die weltweit agierende Künstlerinitiative „freemuse“ (Freedom of Musical Expression) ist seit Jahren im Kampf gegen die Unterdrückung von Musikern und gegen Zensur aktiv. Zum zweiten Mal trafen sich Musiker, Sänger und Journalisten aus aller Welt, um die Freiheit der Worte und der Musik einzufordern, um auf verfolgte Musiker aufmerksam zu machen und sich zu vernetzen. In diesem Jahr wurde erstmalig das Konzert der in „freemuse“ zusammen geschlossenen Musiker in ganz Europa übertragen. Von Norwegen bis Portugal, von Bulgarien über Litauen bis Island wurde dem Anliegen kritischer Liedermacher Gehör verschafft. In Deutschland war das „DeutschlandRadio Kultur“ dabei. In Podiumsdiskussionen und Konzerten im ehrwürdigen Friedens-Nobel-Center von Oslo warb man für die Freiheit von inhaftierten Musikern, für den Kampf gegen Zensur oder staatliche Einschüchterungsversuche. Und dass dies nötig zu sein scheint, zeigt auch der Fall des kurdischen Protestsänger Tunç. Seitens des türkischen Staates wird der politisch aktive Sänger, Bürgermeisterkandidat für Istanbul des Jahres 2004, permanent verfolgt.
Ferhat Tunç ist einer der bekanntesten Liedermacher der Türkei und vor einer Woche wieder
einmal in Istanbul verhaftet wurden. Morgens um sechs Uhr drangen bewaffnete Angehörige der paramilitärischen „Jandarma“ in das Haus seiner Familie ein und nahmen ihn fest, während Frau und Tochter sich für den Schulweg bereit machen wollten. Grund für die Verhaftung nach Paragraph 301 des türkischen Strafgesetzbuches sei das Singen eines Liedes gewesen, sagte Tunç. In der Anklageschrift heißt es: Tunç habe bei einem Konzert in Dersim, vor zwei Jahren, mit einem Song separatistische Propaganda betrieben. Unter Separatismus-Verdacht gerät man im Land zwischen Orient und Okzident schnell. Bereits Behauptungen, dass es Aleviten, Kurden, Christen gäbe und die Forderung nach Aufarbeitung des Genozids an den Armeniern oder sich dem Militärdienst entziehen zu wollen, führe zu Anklagen.
Vorwiegend fußen sie auf Paragraph 301 des türkischen Strafgesetzbuches, der die Verunglimpfung und oder Herabsetzung des „Türkentums“, der Republik oder des Nationalparlamentes unter Strafe stellt. Immer wieder werden Künstler, Schriftsteller und
Musiker in der Türkei angeklagt, inhaftiert und bedroht. Dieser Gummiband-Paragraph geriet unlängst erneut in die Kritik. Obwohl Bürgerrechtler und EU-Politiker seit langem eine Reformierung oder besser noch die Abschaffung des Artikels verlangen, dessen einziges Ziel es sei, kritische Stimmen verstummen zu lassen, ließen Reaktionen aus Ankara lange auf sich warten. Doch plötzlich – ein Jahr nach der Ermordung des Journalisten Hrant Dink – kündigte Ankara an, schnell handeln zu wollen. So zumindest stellte es Mitte Januar Justizminister Mehmet Ali Ahin dar. Nun liegt der Neuentwurf des Artikels 301 bereit. Doch weit geht der Reformeifer der Regierenden in Ankara nicht. Das Wort „Türkentum“ soll durch den Terminus „das türkische Volk“ ersetzt werden und künftig werde ein Zuwiderhandeln mit maximal zwei anstatt drei Jahren bestraft. Bekanntschaft mit dem türkischen Strafgesetz machte neben etlichen Musikern auch schon der armenische Journalist Hrant Dink. Seine Geschichte sorgte für Schlagzeilen. Angeklagt, verurteilt und ermordet.
Die Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk und Yasar Kemal genau wie der Sänger Ferhat Tunç sind immer wieder Angeklagte gemäß umstrittenen Artikels. Insgesamt umfasst der Kreis der vom Paragraph 301 Betroffenen etwa sechzig türkische und kurdische Autoren, Musiker und Mitarbeiter der Medien. Dass die Repressionen gegen die Demokratiebewegung in der Türkei seit der Machtübernahme der AKP keineswegs milder geworden sind, sondern eine gegenläufige Entwicklung zu verzeichnen ist, belegen die Zahlen des türkischen Menschenrechtsvereins IHD, dessen Mitbegründer Tunç ist. Im vergangenen Jahr zählte die türkische NRO so viele Opfer von Menschenrechtsverletzungen, wie seit acht Jahren nicht mehr. Auch die neuerliche Festnahme des Liedermachers Ferhat Tunç zeuge davon, dass die Reformbekundungen der türkischen Regierung eher als Feigenblatt dienen als wirkliche Änderungen zu erreichen.
Solche Missstände öffentlich zu machen, hat sich „freemuse“ auf die Fahnen geschrieben. Mitglieder im Freemuse-Netzwerk gegen Zensur in der Musik sind unter anderem Gianna Nanini, die Ibrahim Tatlıses oder Manu Chao. Seit Jahren arbeiten die Organisatoren der Initiative, die sich 1998 in Kopenhagen gründete, gegen staatliche Einschüchterungsversuche im Bereich der Musik. Etliche Künstler aus der Türkei wie Nilüfer Akbal, Aynur Dogan, Sanar Yurdatapan oder Selda Bagcan sind ebenfalls in „freemuse“ organisiert und wünschen sich eine offenere Gesellschaft mit webiger Zensur und Diskrimminierung. Dabei wollen nicht nur islamische Staaten, Diktaturen oder `Dritt-Welt-Länder` Musikern einen Maulkorb verpassen, sei es aus politischen oder religiösen Gründen. Auch in der westlichen Welt ist vor allem nach dem 11. September 2001 eine Zunahme subtiler Zensur zu verzeichnen.
Amerikanische Künstler, die sich offen gegen die Politik von Georg Busch aussprechen, werden schon mal von Radiosendern boykottiert und Fans werden aufgerufen, sich von den Künstlern zu distanzieren. Ferhat Tunç ist seit diesem Jahr „freemuse“-Botschafter für die Freiheit der Musik. Auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung kommt er auch nach Deutschland: Am 3. April wird er zusammen mit Konstantin Wecker und Hans-Eckardt Wenzel in der Berliner Passionskirche auftreten, sein Konzert-Motto dort „Die Gedanken sind frei“. Konstantin Wecker unterstützt diese Initiative, um „unsere kurdischen, deutschen und türkischen Gäste einander näherzubringen, für solche Themen zu sensibilisieren“.
Wie auch beim Treffen in Oslo soll es neben dem Konzert eine Podiumsdiskussion geben. In Berlin werden Prominente wie der Europaparlamentarier Cem Özdemir und Prof. Dr. Udo Steinbach zum Thema „Freiheit des Wortes – Kunst der Freiheit“ diskutieren. Dabei solle nicht nur mit erhobenem Zeigefinger auf die Türkei gezeigt werden, auch in Deutschland gibt es Entwicklungen, die Grund zur Sorge gäben. Nach dem Verbot der kurdischen Europa-Zeitschrift „OÅNzgür Politika“ durch Innenminister Schily vor zwei Jahren, dem Skandal um Akreditierungen um den G8 Gipfel in Heiligendamm letztes Jahr sei nun der kurdische Satellitensender „Roj TV“ aus Kopenhagen Ziel von Zensur. Roj TV ist vor vier Wochen in Baden-Württemberg vom Netz genommen worden. Für Tunç wird es eine Rückkehr nach vielen Jahren sein: Während der Militärdiktatur in der Türkei in den 80er Jahren lebte er in Deutschland, in Berlin nahm er mit deutschen und amerikanischen Freunden 1984 seine erste Platte auf. Umso mehr freut er sich auf ein Wiedersehen mit alten und neuen Freunden.

Junge Welt, Berlin.
Liedermacher Ferhat Tunc wird »Herabsetzung des Türkentums« und Unterstützung kurdischer Organisationen vorgeworfen
Von Anja Hotopp
Einer der bekanntesten Liedermacher der Türkei – Ferhat Tunç – ist am vergangenen Freitag inden frühen Morgenstunden verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe bei einem Konzert in Dersim (Tunceli) vor zwei Jahren durch das Singen eines Liedes Propaganda für die verbotene Organisation TKP/ML-TIKKO gemacht. Die TIKKO ist die Arbeiter und Bauern-Befreiungsarmee der Türkei, eine kleine linksradikale Guerilla, die im Gegensatz zur PKK nicht explizit auf türkische oder kurdische Nationalität abhebt. Das angebliche Propagandalied heißt »On yedi cana« (Für siebzehn Leben), und handelt von der emotionalen Verbindung zwischen den Menschen in Dersim mit den Bergen, die mystische Verbundenheit mit Natur, Geschichte und Freiheitsliebe. »Das wird mir nun als Unterstützung der TIKKO ausgelegt.« In fünf weiteren Verfahren wird Tunç beschuldigt, die PKK zu unterstützen.
Der Liedermacher, der inzwischen wieder auf freiem Fuß ist und auf seinen Prozeß wartet, äußerte gegenüber jW die Vermutung, daß kurdische Kritiker mundtot gemacht werden sollen. Während gegen die kurdische Guerilla PKK unter Mißachtung der Souveränität des Nachbarlandes in den Bergen Nordiraks gekämpft wird, soll augenscheinlich auch die legale
kurdische Demokratiebewegung in der Türkei selbst weiter unter Druck gesetzt werden. Seit der Machtübernahme durch die aktuelle Regierungspartei AKP hat sich die innenpolitische Situation keineswegs enspannt. Im Gegenteil, die Zahlen des türkischen Menschenrechtsvereins IHD belegen, daß im vergangenen Jahr soviel Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu beklagen waren, wie seit acht Jahren nicht mehr. »Auf diese Art und Weise wird Macht demonstriert – gerade in Zeiten, wo türkische Soldaten gegen kurdische Rebellen vorgehen müssen«, beschreibt der Liedermacher die Stimmung in der Türkei.
Weitere Verfahren, die derzeit gegen Ferhat Tunç laufen, gehen auf Artikel, in denen er die Freilassung der kurdischen Politikerin Leyla Zana forderte, und auf Äußerungen, daß Wahlbetrug in Istanbul nicht ausgeschlossen werden könne, zurück. Generell berufen sich alle Anklageschriften auf den Paragraphen 301 des türkischen Strafgesetzbuches zu. Dieser Gummiband-Paragraph erklärt die »Verunglimpfung« bzw. die »Herabsetzung des Türkentums« zu Straftaten. Verstöße werden mit einer Haftstrafe bis zu drei Jahren geahndet

Von Lea Wolz, Osnabrück.
Der Sage zufolge hätte Orpheus seine Geliebte, Eurydike, durch seine bezaubernden Klänge fast
aus der Unterwelt befreit. Schon die Griechen ahnten wohl, dass Musik mächtig ist. Eine Macht, die noch heute gefürchtet wird und dazu führt, dass Musiker weltweit zum Schweigen gebracht werden. Durch Zensur. "Musikzensur aus politischen oder religiösen Gründen existiert in mehr Ländern, als man glaubt, und sie basiert auf Angst", sagt Marie Korpe, GeschaÅNftsführerin von "Freemuse" (Freedom of Musical Expression), einer internationalen Organisation mit Sitz in Kopenhagen, die sich mit diesem Thema beschäftigt. Um auf die Lage zensierter Musiker aufmerksam zu machen, veranstaltet "Freemuse" heute, am 3. März, zum zweiten Mal den "Tag der Freiheit der Musik" in Oslo. Denn die Nachfahren des Orpheus dürfen nicht überall ihre Stimme frei erheben. "An der Nord-West-Grenze von Pakistan wird zurzeit harte Zensur verübt, ebenso in manchen Regionen Afghanistans, im Iran, in Simbabwe und Burma, um nur einige Beispiele zu nennen", sagt Korpe. Die Taliban verboten in Afghanistan sogar jegliche Musik, wie ein Report der Organisation verdeutlicht.
In der Swat-Region, nördlich von Islamabad, werden laut "Freemuse" Musiker und Musikverkäufer seit einiger Zeit eingeschüchtert und ihre Läden und Wohnungen in die Luft gesprengt. Die Konsequenz: In der einst für ihre traditionelle Pashtunen-Musik bekannten Region haben seit November 2007 mehr als 40 Musikläden geschlossen, wie es bei "Freemuse"
heißt. "Bei uns ist die Muse positiv konnotiert, aber in der radikalen Auslegung des Islam gilt Musik als nutzlose Beschäftigung oder gar als Sünde", erklärt die Musikwissenschaftlerin Dr. Alenka Barber-Kersovan, die an der Universität Hamburg unterrichtet und im wissenschaftlichen Beirat von "Freemuse" sitzt.
Doch Musikzensur macht nicht an den Grenzen des Orients halt: "So viel wie heute zensiert wird - und das nicht nur vom Staat -, wurde lange nicht mehr zensiert", stellt sie fest. "Auch in der westlichen Welt." Das bekannteste Beispiel: In der angespannten Atmosphäre nach dem 11. September nahm der US-Radiosender "Clear Channel" die amerikanische Country-Band "Dixie Chicks" aus dem Programm und rief Fans auf, die CDs der Band zu zerstören. Der Grund: Die Lead-Sängerin der Band, Natalie Maines, hatte Präsident George W. Bush öffentlich kritisiert. Auch der türkische Musiker Ferhat Tunç, der heute ebenfalls bei dem Konzert im Nobel- Friedenszentrum in Oslo auftritt, kennt die subtilen und handfesten Methoden der Zensur. 1964 in der kurdischen Stadt Dersim/Tunceli geboren, prägten ihn die alevitische Religion und die Geschichte seiner Heimat. "Obwohl der Einfluss der EU manche Öffnung gebracht hat, sind wir noch weit weg von einem Land, das sich von den Tabus seiner Gründerzeit emanzipiert hat", sagt der Freund des 2007 ermordeten türkischen Journalisten Hrant Dink. "Diese Tabus, die Kurdenfrage, die Armenierfrage und die Alevitenproblematik sowie - damit verbunden - der Aspekt der Demokratisierung und der Meinungsfreiheit sind die Probleme, die laut auszusprechen ich mich in meiner Musik getraue." und ergänzt: "Ich singe keine Lieder ohne Bedeutung und Sinn, die nur Spaß und Gaudi geben."
Verhaftungen, Konzertverbote, Gerichtsverfahren und Morddrohungen begleiten seinen Weg
daher, seit er 1985 aus Deutschland in die Türkei zurückkehrte. Separatismus wird ihm dort unter anderem vorgeworfen. "Nach jedem Konzert werde ich regelmäßig verhaftet, meine Alben werden vorgehört, getestet, zensiert", sagt der Musiker, der mit seiner Familie in Istanbul lebt. "So passiert es, dass Zivilpolizei hinter den Kulissen auftaucht , eine Liste in der Hand. Darauf stehen Lieder von mir, die ich am Abend nicht singen soll, die als gefährlich eingestuft wurden. Sie teilen mir dann mit, falls ich dieses oder jenes Lied doch singen sollte, machte ich mich schuldig", sagt Tunç."Ich soll mundtot gemacht und am besten außer Landes getrieben werden." Nach dem Tod seines Freundes Hrant Dink, erreichen auch ihn zunehmend Todesdrohungen. "Eine, die bei der Polizei eintraf, lautete: "Wir haben Hrant Dink umgebracht. Osman Baydemir, Metin Tekce und Ferhat Tunç sind die Nächsten'", erinnert er sich. "Zwei Monaten nach diesem Schrecken rieten mir die zuständigen Stellen, auf mich selbst aufzupassen." Eine Gefahr für die Sicherheit des Staates sah die südafrikanische Regierung zur Zeit der Apartheid auch in den kritischen Liedern des in Durban geborenen Musikers Roger Lucey. "Sie zapften mein Telefon an, fingen meine Telefongespräche ab und drohten jede Veranstaltung, bei der ich auftreten wollte, in die Luft gehen zu lassen", erinnert er sich. Die Zensur zeigte Wirkung, Lucey gab auf und schwieg. "Eine niederschmetternde Erfahrung", sagt er. "Wenn deine Stimme alles ist, was du hast, und dir das weggenommen wird, wird das Leben sehr schwierig."
Doch warum wird Musik überhaupt zensiert? "Musik stellt eine parallele Machtstruktur dar", sagt Barber-Kersovan, die über die Rolle des Punk im Slowenischen Frühling geforscht hat. "Es gibt Idole und Fans, Führer und Geführte, diese Massenwirksamkeit der Musik ist ein Zensurgrund." Ihr Fazit: "Der Punk trug wesentlich zur Erweiterung der politische Freiräume bei und war eine wichtige Triebkraft der gesellschaftlichen Umwälzungen." Musik kann also ein Sprengsatz für ein gesellschaftliches Gefüge sein, den mancher Machthaber lieber entschärft. Ähnlich sieht es auch Prof. Christoph Louven, der sich am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Eichstätt mit dem Verhältnis zwischen Politik und Musik beschäftigt. "Musik arbeitet stark über Identifikationsmuster, man zeigt, dass man zu einer Gruppe gehört", sagt er. "Und sie ist natürlich im Fall der Musikzensur gegen ein System gerichtet, das bekämpft werden soll."
Ebenso wie Staaten ihre Hymnen bräuchten auch Revolutionen ihre Symbole. Obgleich Meinungsfreiheit ein Menschenrecht ist, sieht Barber-Kersovan auch Grenzen: "Nazi- Bands und Hassreden werden zum Beispiel zu Recht zensiert", sagt sie. Denn: "Ohne immer wieder ausgehandelte Grenzen gäbe es keine Freiheit, und das Ganze würde in Anarchie ausarten."